Fazit nach 9 Monaten Nissan Leaf 40kWh

oder: als flexible Übergangslösung top, nicht mehr, aber auch nicht weniger…

Nachdem das Wochenende mit dem Peugeot e-208 ja eher eine Enttäuschung war, und wir uns entschieden haben den Wagen zu stornieren, mussten wir uns eine Alternative suchen. Der Nissan Leaf von Nextmove war ja nur als flexible Übergangslösung gedacht und nicht als Dauerlösung. Wir haben dann mit viel Glück ein passendes Fahrzeug gefunden (dazu schreibe ich in einem anderen Beitrag dann was), und damit hieß es: Abschied nehmen vom Leaf!

Ich wurde von mehreren Seiten gebeten doch auch mal ein Fazit zu ziehen und unsere Meinung zum Nissan Leaf aufzuschreiben, also, auf gehts.

Wir haben den Wagen bei Nextmove geliehen, im Rahmen des „Leaf Deals“. Die Kurzfassung des Deals: der Wagen wird für 12 Monate gemietet, zu einem durchaus guten Kurs. Beim Vertragsabschluss gibt man an welches Elektroauto man vorbestellt hat (bei uns waren es der ID.3 und der e-208), und sollte das vorbestellte Fahrzeug eine Lieferzeit von weniger als 12 Monaten haben dann kann man flexibel früher aus dem Vertrag, oder bei Verzögerungen der Lieferung monatsweise verlängern. Für uns also ideal, den Ioniq haben wir für einen guten Kurs verkauft, und durch die Langzeitmiete bei Nextmove würden wir keinen Druck haben ein Fahrzeug möglichst genau zur Lieferung des Nachfolgers zu verkaufen. Dazu kommt das alle Kosten ausser Strom und Fahrzeugpflege in der monatlichen Miete inkludiert sind, also Inspektionen, Reifenwechsel, Versicherung usw alles schon abgedeckt ist.

Nach der Stornierung von sowohl dem ID.3 als auch dem e-208 haben wir bei Nextmove angefragt ob wir die flexible Regelung auch bei einem anderen Fahrzeug nutzen können – war kein Problem. Auch als wir dann den Wunschwagen lagernd bei einem Händler fanden und entsprechend kurzfristig aus dem Vertrag wollten zeigte sich Nextmove sehr kulant. Wenn ich ein Fazit zu Nextmove ziehen soll, und dafür bekomme ich keinen Cent: gerne wieder. Über die ganzen 9 Monate war der Kontakt zu Nextmove sehr angenehm, professionell, einwandfrei. Da ist der Kunde nicht nur eine Nummer, sondern man redet auf Augenhöhe miteinander.

Aber jetzt zum Leaf selber. Der Wagen ist deutlich größer als der Golf, was sich insbesondere im Kofferraum bemerkbar macht. 4 große Reifen transportieren? Kein Problem, die Rückbank muss nicht umgelegt werden, und es ist sogar noch etwas Platz im Kofferraum übrig. Auch die Übersichtlichkeit beim Rangieren ist ok, und ein kleines Highlight ist die Ladeklappe. Quasi ein Nasenlader, was das hantieren mit Kabel und Ladesäule sehr angenehm macht – kein aufwendiges Rangieren um rückwärts möglichst passend an die Säule zu fahren. Gefällt sehr, auch das die Ladeklappe nicht in der Front wie beim Kona oder der Zoe ist, sondern eher oben auf der Motorhaube. Noch dazu ist sie nicht aus labberigem Plastik sondern massivem Metall, und dazu auch noch beleuchtet. Ein Traum.

Auch die 360 Grad Kameradarstellung hat uns gut gefallen, hilft auch bei dem eher kleinen Bild beim rangieren in engen Situationen sehr. Leider sind die Kameras ungeschützt, und insbesondere die Heckkamera verdreckt sehr schnell, und das Bild im dunklen lässt auch zu wünschen übrig. Auch das Ablend- und Fernlicht könnte besser sein, auch wenn gerade das Fernlicht gegenüber dem Ioniq schon ein Fortschritt ist. An den e-Golf kommen aber beide nicht ansatzweise heran.

Was den Innenraum angeht: der war so gar nicht nach unserem Geschmack. Anzeigen, Bedienelemente, Sitze, das hat alles so 90er Jahre Charme und wirkt sehr alt. Das Navi-Display und die Darstellung darauf ist sehr altbacken, wir haben insbesondere die Navi-Funktion nur sehr selten genutzt und lieber mit Apple Maps via Carplay navigiert. Sehr nett hingegen sind die Anzeigen die sich auf den Akku beziehen. Sowohl die Akku-Temperatur, als auch der State of Health, und auch die zu erwartenden Ladezeiten werden direkt angezeigt. Das sollten alle Hersteller so machen!

Sehr nervig sind die Warngeräusche für Fußgänger und auch beim Rückwärtsfahren. Da piepts draussen als ob 4 LKWs gleichzeitig einparken wollen. Die Sitzheizung kennt nur 2 Stufen: laufwarm und Höllenfeuer, da wäre noch eine weitere Stufe angenehm gewesen. Die Sitzposition hingegen war gut, auch für Menschen meiner Größe. Die Assistenzsysteme sind ok, soweit sie vorhanden sind. Unser Wagen war mit dem ProPilot ausgestattet, den Nissan fast schon als Autopilot vermarktet hat. Unterm Strich ist es auch einfach die Kombination aus Spurhalteassistent und Abstands-Radar, wie sie viele andere Fahrzeuge schon lange haben. Nichts besonderes, funktioniert, Haken dran.

Zum Thema Laden und Verbrauch: wir haben, bis auf die beiden Überführungsfahrten, nur daheim bzw. an öffentlichen AC-Ladesäulen geladen. Von daher war Rapidgate für uns kein Thema, wer sich primär im Umkreis der doppelten Akkureichweite bewegt sollte da keine sonderlichen Probleme bekommen. An AC-Ladesäulen läd der Leaf einphasig mit 32 Ampere, was sich als deutlich unpraktischer herausgestellt hat als der e-Golf mit zweiphasig / 16 Ampere. Der Verbrauch des Leafs ist auch erschreckend hoch, er kommt fast an den e-208 ran. Trotz des Akkus, der mit 40kWh deutlich größer ist als der Golf mit 31.5kWh, war die effektive Reichweite beim Golf besser. Auf der Rückfahrt zu Nextmove habe ich, trotz relativ guten Wetters, nicht mal 200km geschafft. Da zeigt sich (auch wenn man mir wieder vorwerfen wird was für ein schlimmer VW Fanboy ich bin) wieder, dass der e-Golf für eine Mischplattform erstaunlich effizient ist und zurecht den Titel „unterschätztestes e-Auto am Markt“ trägt.

Würden wir uns den Wagen kaufen? Wenig überraschend ist die Antwort: nein. Der Innenraum wirkt zu angestaubt, der Verbrauch ist zu hoch, daraus resultierend auch die Ladezeiten. Dazu kommt das Problem CHAdeMO: Anstatt wie alle anderen Hersteller hierzulande auf CCS für Gleichstrom-Schnellladung zu setzen hält Nissan auf Gedeih und Verderb am CHAdeMO Standard fest. Ich finde das unverständlich, insbesondere da mehr und mehr reine CCS Ladepunkte entstehen. Bei Ionity ist man mit dem Leaf komplett aufgeschmissen, bei Fastned muss man hoffen das der einsame Tripple-Charger frei ist.

Von daher bleibt das Fazit: der Wagen war als Übergangslösung völlig ok, hat treu seine Dienste geleistet, auch finanziell hat es sich im Hinblick auf den deutlichen Wertverlust des Ioniqs in den letzten 9 Monaten absolut gelohnt. Also alles richtig gemacht, aber jetzt wird es dann doch wieder Zeit ein „Wunschauto“ zu fahren…

2 Gedanken zu „Fazit nach 9 Monaten Nissan Leaf 40kWh

    • Daniel Autor des BeitragsAntworten

      Oh, stimmt – die Info bin ich ja hier noch schuldig 🙂 ich schreibe da heute oder morgen mal was zu!

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