Retro-PC Part 2: Windows 98 Reloaded

oder: manchmal muss es doch etwas mehr Wumms sein!

Nachdem klar war das viele Spiele der Windows 98 Generation etwas mehr Dampf brauchen als es der für MS DOS optimierte Pentium II hat kam die Idee auf noch einen weiteren Rechner zu bauen: ausgelegt auf möglichst gute Performance unter Windows 98 SE. Das bedeutet: eine Plattform finden die noch IDE Anschlüsse hat, für den schon bekannten SD auf IDE Adapter, und insbesondere auch für das DVD-Laufwerk, um weiterhin Laufwerke mit dediziertem Audioausgang verwenden zu können. Dazu ist SATA eh etwas zu modern für Windows 98, auch wenn es im IDE-Modus funktionieren würde. Dazu sollte es einen AGP Slot sowie PCI Slots geben, da PCI Express ebenfalls etwas zu modern wäre.  ISA Slots hingegen waren nicht mehr notwendig, unter Windows 98 SE funktionieren PCI Soundkarten ja wunderbar. Beim Arbeitsspeicher war auch wieder das Limit bei 512 GB vorgegeben, und bei der CPU reicht ein Prozessorkern, mehr nutzt Windows 98 nicht aus. Der darf dafür gerne möglichst fix sein. Die Inspiration für die einzelnen Komponenten kam wie beim DOSBOX Rechner wieder von Phil.

 

Mainboard/Prozessor/Arbeitsspeicher: Asus A8V, AMD Athlon 64 3800+, 512 MB DDR RAM


In einem Video von Phil wurde dann auch quasi genau diese Kombination beschrieben die ich dann auch für einen Schnäppchenpreis erstanden habe. Im Bild ist das ganze noch so zu sehen wie auf eBay gekauft, mit umwerfenden 2 Gigabyte Arbeitsspeicher und einem betagten und etwas lauten Arctic Cooling Lüfter. Es handelt sich um ein Asus A8V Mainboard, mit einem VIA K8T800 Pro Chipsatz. Ich muss gestehen das ich bei den Chipsätzen aus der Zeit, gerade was AMD Prozessoren angeht, gar nicht mehr so im Thema war, und mich ganz und gar auf Phil verlassen habe. Die Alternative wäre etwas auf Basis eines Pentium 4 gewesen, aber in der Zeit war AMD dann eher führend und der Pentium 4 ist mir eher als langsam und ineffizient in Erinnerung geblieben. Nicht umsonst hat Intel für die nachfolgenden Prozessoren alles über Board geworfen und im Grunde auf der Basis des Pentium III wieder neu angefangen.

Der Prozessor ist ein AMD Athlon 64 3800+, mit einem Takt von 2.4 GHz und einem Prozessorkern. Dank AMDs Cool’n’Quiet Technologie kann man den Prozessor auch fast beliebig untertakten. Das Mainboard bietet eine recht umfangreiche Ausstattung, im Vergleich zu den Boards der Pentium II Generation gibt es viele Komponenten die direkt auf dem Mainboard verfügbar sind, was den Bedarf an Steckplätzen deutlich reduziert.

Es gibt 4 Steckplätze für Arbeitsspeicher, verwendet wird DDR SDRAM. Von den ursprünglichen 4 Speichermodulen habe ich 3 entfernt, um so auf 512 MB Arbeitsspeicher zu kommen. Das hat leider zur Folge das ich den Dual-Channel Modus und damit etwas Performance verliere. Feinschliff wäre an dieser Stelle ggf. kleinere Speichermodule zu kaufen, oder zu schauen was es an Workarounds für das 512 MB Speicherlimit von Windows 98 SE gibt. Für den Bereich von bis zu einem Gigabyte gibt es da wohl was von Microsoft selbst, darüber hinaus muss man wohl zu Patches von Drittanbietern greifen. Des weiteren gibt es einen AGP Slot, in einer etwas schnelleren Variante als in meinem ersten Retro-PC: Bis zu AGP 8x ist möglich. Abgerundet werden die Erweiterungsmöglichkeiten noch von 5 PCI Slots.

Netzwerk (in Form eines Marvel Gigabit Chips) ist schon auf dem Board vorhanden, ebenso Sound (den ich aber ignoriere und eine gute Soundkarte verwende), Floppy und IDE Ports gibt es selbstverständlich, und auch 2 SATA Ports. Über diese breiten wir aber lieber den Mantel des Schweigens, und ignorieren sie konsequent. Für die verwendeten Massenspeicher sind sie eh nicht weiter relevant. Abschließend gibt es auch USB2 Ports, die Technik setzt ihren Siegeszug unaufhaltsam fort. Serielle und parallele Schnittstellen sind auch noch dabei, da ich sie aber nicht benötige sind sie im Bios disabled. Tastatur und Maus finden klassisch über PS/2 Buchsen Anschluss.

Ansonsten hält auf dieser Mainboard-Generation dann auch der 12V CPU Powerstecker Einzug, der beim ersten Retro-PC schon angedeutete Schwenk der Versorgungsspannung von 5V auf 12V für die CPU wird hier also vollzogen. Das macht uns dann die Auswahl eines Netzteils einfach: passt schon. Den CPU-Kühler habe ich gegen einen großen Scythe Kühler getauscht, den ich in einem anderen Hardware-Konvolut ersteigert hatte. Der verwendet dann auch einen normalen 12cm Lüfter, den man dann später bei Bedarf auch leichter austauschen kann als die hier gezeigte Spezialanfertigung von Artic Cooling.

 

Soundkarte: Creative Labs Soundblaster Audigy 2 ZS


In einem Rechner, den ich als Basis für den DOSBOX Retro-PC ersteigert habe, steckte eine hochwertige Soundkarte: eine Soundblaster Audigy 2 ZS. Oder wie Phil sagt: die optimale Soundkarte für Windows 98 Rechner. Auch zur Treiberversorgung hat er ein sehr hilfreiches Video. Ich habe mir dann noch eine Slotblende mit einem Gameport besorgt, und ein Adapterkabel mit dem man die Front-Anschlüsse des Gehäuses mit dem oben links zu sehenden weißen Stecker verbinden kann. Der Audio-Ausgang des DVD Laufwerks ist auch wie gehabt mit der Soundkarte verbunden.

Die Soundkarte bietet viele High-End Features wie 24 Bit Audio-Wiedergabe, 96kHz 6.1 Recording, 192kHz Stereo und – gerade für Spiele wichtig – 3D Sound nach dem EAX 4.0 Standard. Dafür dann auch das Adapterkabel für die Front-Anschlüsse des Gehäuses, um bequem auch mal Kopfhörer dafür anschließen zu können.

Zweite Wahl wäre eine Soundblaster Live! gewesen, die ich auch schon damals besessen habe und die noch in meinem Fundus war. So bleibt die aber weiterhin gut verpackt als Reserve in der Bastelkiste, falls die Audigy mal aufgeben sollte.

 

Grafikkarte: Albatron GeForce4 Ti 4600


Das Thema Grafikkarten war recht spannend. Durch meine Käufe hatte ich eine breite Auswahl: von einer Riva TNT2 über diverse GeForce2 Karten bis hin Spitzenmodellen der GeForce4 Generation war alles vorhanden und funktionsfähig. Selbst eine ATI Radeon X800GT wäre eine Option gewesen. Auch wenn die ATI Karte gute 20% schneller war als meine letztendliche Wahl: sie wird leider nur von einem Beta-Treiber unter Windows 98 SE unterstützt, und der war etwas wackelig. Auch wenn diverse Benchmarks in einer Dauerschleife stabil durchliefen, so crashten viele Spiele. Insbesondere Unreal Tournament 2004 war nicht zu gebrauchen.

Daher habe ich mich dann für eine GeForce4 Ti 4600, in einer Variante des Herstellers Albatron, entschieden, die auch – wen wundert es jetzt noch – auch von Phil hochgelobt ist. Die Karte war in stark verdrecktem Zustand, was aber leicht zu beheben war. Der originale Lüfter war zwar erstaunlich leise für seine Größe, hatte aber mühe die Karte zu kühlen. Ich habe daher einen der mittlerweile seltenen Ersatzlüfter gekauft, der deutlich größer ist, durch sein Design auch noch die Speicherbausteine kühlt, und dazu auch noch schön leise ist.

Einziger Nachteil ist dabei, das man jetzt den Slot neben der Grafikkarte blockiert, was aber durch die Wärmeabgabe der Grafikkarte so oder so zu empfehlen ist.

Zweite Wahl wäre hier jetzt eine GeForce4 Ti 4200 gewesen: gleiche Technik wie die 4600er, aber etwas langsamer getaktet, dadurch aber auch weniger Wärmeentwicklung. Hier habe ich ein Exemplar von MSI, welches mit einer ausgefeilten Kühlung inklusive Backplate daher kommt. Ähnlich wie die Soundblaster Live! ist sie daher in meiner Bastelkiste gelandet, vielleicht brauch ich sie noch einmal. Auch eine passiv gekühlte GeForce4 MX 440 habe ich noch behalten, für den Fall der Fälle. Vielleicht bietet ja noch wer einen Liebhaberpreis für die wirklich seltene 4600er, dann käme ich vermutlich sehr ins grübeln…

 

DVD- und Diskettenlaufwerk


An dieser Stelle wieder Hausmannskost. Ein Samsung DVD Brenner, ein Floppy-Laufwerk, die Anforderungen waren identisch zu denen beim DOSBOX Retro-PCs. Schwarze Front sollte es sein, und beim DVD Laufwerk ein IDE Anschluss mit dediziertem Audioausgang.

 

Festplatte: SD-IDE Adapter


Nach dem erfolgreichen Einsatz des SD-IDE Adapters im DOSBOX Rechner habe ich hier direkt das gleiche Modell noch einmal verbaut. Eine entsprechende Halterung für einen Laufwerksschacht habe ich wieder gedruckt, allerdings etwas einfacher: im 3.5″ Format, ohne Halterung für weitere SD-Karten (da ich ja nicht zwischen DOS und Windows wechseln will auf diesem Rechner), und das Gehäuse hat auch eine gut sichtbare HDD-LED.

 

Netzteil: Thermaltake TR2 S 350W


Beim Netzteil habe ich doch glatt vergessen vor dem Einbau ein Foto zu machen, daher gibt es hier nur die Verpackung zu sehen. Da die Spezialanforderungen „5V Leitung“ und „-0,5 Leitung“ des DOSBOX Rechners nicht mehr relevant waren konnte ich einfach das nächstbeste Netzteil kaufen. Ich habe daher einfach geschaut was in der 350W Liga schwarz, leise und günstig ist, und bin bei Thermaltake gelandet. Der Kauf war gut, das Netzteil ist in der Tat leise und versorgt den Rechner zuverlässig mit Strom. Was will man mehr von einem Netzteil?

 

Gehäuse: Corsair Carbide Series 200R


Für diesen Rechner hatte ich kein Gehäuse mehr parat, also habe ich mich nach einem neuen umgeschaut. Die Anforderungen waren: das recht tiefe Mainboard sollte reinpassen, ohne das es direkt mit den Laufwerken kollidiert. Ebenfalls sollten alle Slots des Mainboards nutzbar sein, das Netzteil unten montiert, natürlich sollte es schwarz sein und Kabelmanagement haben. Abgerundet wurde die Liste dann durch den Wunsch nach guten Lüftungsmöglichkeiten und Kabelmanagement, sowie drei 5,25″ Laufwerkseinschüben.

Gerade letzteres machte die Auswahl dann recht eng. Es gibt einige Gehäuse der 30-40 EUR Klasse, aber bei denen merkt man dann durchaus an jeder Ecke und Kante wo gespart wurde. Daher habe ich lieber etwas mehr ausgegeben und mich für ein Corsair Carbide Series 200R entschieden. Genug Platz für alle Komponenten und viel Platz zum arbeiten und hantieren, keine scharfen Kanten, viel Platz für Lüfter. Nicht benötigte Festplattenhalterungen kann man ausbauen, und auch fürs Kabelmanagement ist reichlich Platz. Den etwas höheren Preis gegenüber den Billigst-Gehäusen merkt man an der Materialstärke und damit auch beim Gewicht deutlich.

 

Kabel und Kleinkrams


Auch bei diesem Projekt waren wieder einige Kleinteile nötig. Einen kompletten Satz Scythe Gehäuselüfter hatte ich glücklicherweise noch, diverse Floppy- und IDE Kabel hatten sich auch schon beim Bau des ersten Retro-Computers angesammelt. Im Grunde musste ich nur noch die beiden schon oben erwähnten Adapterkabel für die Soundkarte kaufen, sowie einen USB Adapter der aus dem Anschluss für die beiden Front-USB3 Ports des Gehäuses Anschlüsse für die USB2 Header auf dem Mainboard machte.

 

Das Gesamtkunstwerk 🙂


Auch bei dem Rechner galt das Prinzip: Schwarz und schlicht. An ein schickes 90er Jahre Beige habe ich mich wieder nicht ran gewagt, aber wieso auch: rein optisch soll der Rechner in mein heutiges Zimmer passen.

Das Innenleben mit dem final verbautem, leicht überdimensionierten, Scythe CPU Kühler. Aber der war halt noch vorhanden, wieso also den lauteren Arctic Cooling verwenden. Mangels passenden Montage-Adaptern für andere Sockel wäre er für die kommenden XP und Windows 7 Retro-PCs auch nicht verwendbar gewesen. Ansonsten halt viel freier Platz, gerade im Bereich des entfernten Festplatten-Käfigs. Das sorgt aber auch andererseits für einen guten, ungehinderten Luftzug durch das Gehäuse, was dann insbesondere auch der Grafikkarte zu gute kommt. Ich bin aber auch froh, dass das Thema IDE Kabel mit diesem Rechner sein Ende findet. Ein Windows XP Retro PC wird dann definitiv auf SATA und reguläre SSDs setzen.

Kabelmanagement ist wie bei all meinen Rechnern absolut gesetzt, nichts ist schlimmer als ein wilder Kabelverhau.

Und ein schöner Rücken kann auch entzücken. Beim Mainboard habe ich wieder Wert auf ein vorhandenes IO-Shield gelegt, die Grafikkarte wirkt von aussen immer noch wie ein schlankes Single-Slot Modell, und ganz aussen dann die Soundkarte mit dem zusätzlichen Gameport-Adapter.

 

Weise Schlussworte!


Da steht er nun, der zweite Retro-PC. Ob er so oft zum Einsatz kommt wird sich zeigen müssen, es war auf jeden Fall spassig mal wieder mit Windows 98 SE zu „arbeiten“. Gerade durch das dritte Retro-Projekt, was auch schon in den Startlöchern steckt, wird er vermutlich etwas unter Druck geraten: Es wird noch einen Retro XP Rechner geben. Leistungsmässig überlappen sich die Geräte dann durchaus etwas, aber so hätte ich zwei Rechner die für Multiplayer-Spiele der Windows 98 Ära taugen.

Die Kosten für das Projekt waren aber extrem überschaubar, von daher wäre es auch viel zu schade die Komponenten zu verschleudern oder gar zu entsorgen. Solange ich genug Platz in der Wohnung habe bleiben die Retro-Rechner so wie sie sind bei mir, und auch fertig verkabelt um jederzeit eingesetzt werden zu können.

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