Unser Begleiter für die nächsten 6-12 Monate

oder: Mal schauen was Nissan so drauf hat!

Nachdem wir Ioniq verkauft hatten musste eine Übergangslösung her. Zurück zum Verbrenner stand ausser Frage, man würde ja auch nicht mehr freiwillig eine drehende Festplatte in einen Rechner schrauben. Da unser Ziel ja entweder ein Volkswagen ID.3 oder der Peugeot e208 ist muss die Übergangslösung also einen Zeitraum von 6-12 Monaten abdecken. Irgendwie verschieben sich alle angekündigten Elektroautos auf Anfang bis Mitte 2020, ein Schelm wer böses dabei denkt.

Da es kein aktuelles Fahrzeug gibt welches uns als Nachfolger für den Ioniq zusagt stand ein Leasing für mehr als 12 Monate also ausser Frage. So etwas wie die Yellow Strom / Sixt Leasing Aktion die es vor einiger Zeit gab wäre ideal: für 12-24 Monate einen i3 in ausreichender Ausstattung fahren, mit etwas Werbung beklebt, dafür zu sehr geringen monatlichen Kosten. Die ersten Fahrzeuge dieser Aktion sind jetzt wieder bei Sixt gelandet, und gehen erneut ins Leasing.

Ich habe also die Gelegenheit genutzt und mit Marcel vom Cleanelectric Podcast ausführlich telefoniert und mich über die Fahrzeuge und die Erfahrungen mit Sixt erkundigt. Vielen Dank dafür Marcel, es ist etwas surreal wenn die Stimme, die man seit Jahren nur aus dem Podcast kennt, einem auf einmal auch antwortet 🙂

Mit dem Wissen um die Vor- und Nachteile, und worauf man achten sollte, habe ich dann mal ein Angebot bei Sixt angefragt. Das Thema hatte sich dann aber ganz fix erledigt, denn entgegen der ersten Aussagen waren 12 Monate Leasingdauer nicht möglich, und die Monatsrate bei 18 oder 24 Monaten lag deutlich über den Leasingraten die BMW aktuell für Neuwagen (!) mit größerem Akku (!!) und besserer Ausstattung (!!!) aufruft. Zu dem Preis wären dann auch noch Versicherung, Wartung, Reifen usw hinzugekommen, das ganze war also sehr unattraktiv.

Die Lösung für die wir uns dann alternativ entschieden haben seht ihr oben im Bild: ein Nissan Leaf mit 40kWh Akku und n-Connecta Ausstattung zzgl. Winterpaket. Den Wagen haben wir, was schwer zu übersehen ist, bei Nextmove gemietet. Das Angebot ist fair bepreist und flexibel in der Laufzeit. Wir haben beim Vertragsabschluss angegeben das wir die beiden oben genannten Elektroautos reserviert haben, und somit können wir mit einem Monat Vorlauf aus dem Vertrag raus, passend zur Lieferung des neuen Fahrzeugs.

Der Nextmove Standort in Leipzig ist etwas ernüchternd, sehr klein, und die aus den Videos bekannte Sitzecke nimmt gefühlt 30% der Fläche ein. Aussenwerbung quasi nicht existent, wir hätten da etwas mehr erwartet. Aber es zählen ja die inneren Werte!

Die Übergabe war sehr schnell erledigt, da wir ja keine Einweisung in die Elektromobilität brauchten. Der Wagen ist aus 11/2018, 3355km hatte er runter. Dafür sah der Wagen schon ziemlich verwohnt aus, mit deutlichen Gebrauchsspuren im Innenraum und auf der Rücksitzbank. Winterreifen waren im Kofferraum, der in der Tat recht groß ist. Die Reifen passten jedenfalls locker rein, ohne das die Rücksitzbank umgeklappt werden musste. Positives Detail: die Sicherheitsgurte auf der Rücksitzbank waren so eingesteckt, das sie im Falle eines Auffahrunfalls die Bank bzw. die Reifen aufgefangen hätten.

Die Rückfahrt von Leipzig nach Warburg war recht unspannend, das nächste mal schauen wir uns aber die Ladekurve vorher an. Erstes Laden nach 100km bei 58% Akku traf genau an dem Punkt der Ladekurve wo es steil bergab geht. Aber ein Stadtbummel und lecker Eis dauerten eh eine gute Stunde, als wir wieder beim Auto waren stand es schon wieder bei 98%. Damit wären wir auch vermutlich heimgekommen, aber wir dachten uns bei 17% an der A44 „Komm, nochmal kurz an den Schnelllader“. Da hat der Leaf dann immer noch mit 40kW geladen, also nur ein kleines Rapidgatechen, und da die Ladesäule wieder erwarten kostenlos war haben wir bis etwa 70% geladen, bis die Ladeleistung dann wieder deutlich abwärts ging.

Der Verbrauch auf der Strecke lag bei 14,7kWh/100km, wir sind mit etwa 110km/h, aktivem ACC/ProPilot und gelegentlichen Zwischenspurts zum Testen und LKWs überholen gefahren, da hätte ich angesichts der Horrorgeschichten mit einem weit höheren Verbrauch gerechnet.

Zum Auto: Ja, das Innenraumdesign ist nicht mehr so ganz frisch, das Navi nicht das beste. Aber bis auf die zu kurze Mittelarmlehne macht das Auto das was es soll, ist nicht unbequem, recht leise von den Fahrgeräuschen her, Assistenzsysteme funktionieren. Kaufen würden wir den Wagen absolut nicht, aber als Übergangslösung scheint der Wagen gut zu sein und genau die Erwartungen zu erfüllen.

2 Gedanken zu „Unser Begleiter für die nächsten 6-12 Monate

  1. Ralph Antworten

    Warum bist Du den Ioniq nicht einfach noch die nächsten sechs bis zwölf Monate weitergefahren?

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass der voraussichtliche Wertverlust beim Ioniq für diesen Zeitraum die nun fälligen Mietkosten übersteigt.

    • Daniel Autor des BeitragsAntworten

      Da spielten mehrere Gründe rein. Zum einen durchaus der zu erwartende Wertverlust, der mit dem Erscheinen vieler Fahrzeugmodelle mit weit größerem Akku zu geringeren Preisen sich noch verstärken wird. Auch kann ich jetzt die nächsten 6-12 Monate ohne Druck drangehen. So konnte ich den Ioniq jetzt ohne Stress verkaufen, wenn er nicht zu einem guten Preis weggegangen wäre hätte ich ihn weiter gefahren. Andere mussten mit dem Preis deutlich nach unten gehen, weil halt schon der neue Kona oder das Model 3 vor der Tür stand. Die Zeiten wo einem gebrauchte Ioniqs aus den Händen gerissen wurden sind vorbei, das Angebot ist deutlich größer als die Nachfrage. Sonst würden ja auch nicht reihenweise Ioniq als Neuwagen in Vollausstattung für unter 30.000 EUR bei den Händlern stehen…

      Dazu kommt der kleine Akku – für Leute die sich auskennen wird der durch die hohe Ladeleistung ausgeglichen, was in einer hohen Reisegeschwindigkeit resultiert. Kommende Elektro-Umsteiger werden aber eher stumpf Reichweiten bzw. Akkugrößen vergleichen, und dann steht der Ioniq eher schlecht da.

      Aber nicht falsch verstehen: Ich bin den Ioniq gerne gefahren, und er ist ein tolles Fahrzeug mit für seine Zeit tollem Preis-Leistungsverhältnis. Ich befürchte nur dass das in den nächsten Monaten kippt.

      Die laufenden Kosten des Leafs sind übrigens leicht unter denen des Ioniqs: etwa 500 EUR Wertverlust plus Versicherung, Wartung, Reifen etc pro Monat vs. 519 EUR für den Leaf. Auch das sprach deutlich für den Wechsel.

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