Die ersten 4.000km sind geschafft

Reichweitenangst neu definiert.

Tja, so schnell kann es gehen. Etwas über 8 Wochen haben wir gebraucht um 4.000 Kilometer hinter uns zu bringen, und somit ist es Zeit für ein kleines Zwischenfazit.

The good…

Fahrttechnisch hat alles wunderbar funktioniert. Schon die erste lange Fahrt von Dresden nach Hause war stressfrei, auch die Urlaubsfahrt an die Ostsee verlief komplett wie geplant. In den 4.000km hatten wir weder eine belegte noch von Verbrennern blockierte Ladesäule, es gab keine Probleme mit der Reichweite, dafür einige interessante Gespräche mit interessierten Mitbürgern. Kleine Kinder, Hunde, ladende Elektroautos – so kommt man ins Gespräch und lernt neue Leute kennen!

Ansonsten gibt es herzlich wenig zu berichten, die Fahrten sind erfreulich ereignislos. Über die Ausstattung und die Assistenzsysteme des e-Golfs kann ich wenig „neues“ schreiben, die kannten wir ja größtenteils schon vom Diesel-Golf. Die Entscheidung für die Rückfahrkamera war jedenfalls gut, nicht nur beim Rangieren vor Ladesäulen sondern auch in der tendenziell engen Einfahrt neben dem Haus hilft sie durchaus.

Von den 4.000km haben wir vielleicht 10, 15% daheim geladen. Der Rest kam bei Pausen unterwegs in den Akku, wir versuchen möglichst viel extern zu laden wenn es sich anbietet. Es sollte natürlich günstiger sein als daheim (aber nicht zwingend kostenlos), und wir denken das wir durch die Nutzung öffentlicher Ladesäulen den Betreibern das Signal geben: „Hier wird geladen, es lohnt sich Ladesäulen aufzubauen, der Bedarf ist da!“.

 

…the bad…

Nicht das ihr jetzt denkt der e-Golf wäre das perfekte Fahrzeug – nein, ist er nicht. Wie an jedem Auto (oder anderem technischen Gerät) gibt es diverse Stellen die nicht ganz passen oder nicht so funktionieren wie man sich das denkt.

Beim e-Golf sind es für mich einige Kleinigkeiten. Beispielsweise sind Teile des Akkus auch unter den Vordersitzen, und ragen dort recht weit nach vorne. Ich trete da gerne versehentlich drauf, auch noch nach 2 Monaten. Das macht zwar dem Akku nichts, aber irgendwie ist das nicht so optimal gelöst. Mal schauen wie der Teppich an den Stellen nach 4 Jahren aussieht.

Einen optimalen Ort um die Ladekabel unterzubringen haben wir noch nicht gefunden. Beim i3 ist das gut gelöst – vorne im „Motorraum“ gibt es ein Fach in das beide Ladekabel reinpassen. Egal was man im Kofferraum hat kommt man immer an die Ladekabel. Beim Golf wäre da auch Platz gewesen, aber so weit hat man offenbar bei VW nicht gedacht.

Das AID bleibt deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück, insbesondere fehlt eine komplett freie Einstellbarkeit für die Innenkreise. Ich hätte zum Beispiel gerne einen Mix aus der Effizienz-Anzeige im linken Kreis, aber im rechten Kreis dann die Pfeil-Anzeige des Navis. Technisch kein Problem, aber der e-Golf lässt es nicht zu.

 

…and the ugly.

CarNet. Unglaublich was VW da abliefert, oder besser gesagt, nicht abliefert. Die Online-Anbindung war ein Pluspunkt für den e-Golf bei der Kaufentscheidung, insbesondere um zu schauen ob der in der Fremde abgestellte Wagen noch lädt, und natürlich auch für spontane Vorklimatisierung. Stellt sich raus: kann man, Stand heute, ziemlich komplett vergessen.

2 mal bin ich kilometerweit zurück zum Auto gelaufen, weil mir die CarNet App sagte: „Reichweite wie beim Abstellen, Fahrzeug lädt nicht“. Wieder beim e-Golf angekommen blinkte mir die grüne Lade-LED entgegen, und ich dachte mir „danke, VW, nicht“. Das Fahrzeug wird auch gerne mal als nicht abgeschlossen und/oder mit offenen Türen dargestellt.

Die Tage an denen CarNet so funktionierte wie es sollte kann man an einer Hand abzählen, an den anderen war entweder der Dienst komplett nicht erreichbar, oder die Daten wie Kilometer, Standort, Fahrzeugzustand und Restreichweite waren komplett falsch. Vorklimatisieren hat bei uns noch nie funktioniert.

Einmal war das ganze auch so verwirrt das nicht mal Guide&Inform ging. Das ist der Dienst, bei dem sich das Navi über einen vom Besitzer bereitzustellenden WLAN Hotspot Echtzeit-Verkehrsinformationen holt. Eine super Funktion, die sehr genaue Verkehrsinfos bietet, und uns schon vor dem ein oder anderen Stau gerettet hat. Dummerweise war der einzige Weg das Auto wieder zur Mitarbeit zu bewegen das Fahrzeug komplett aus dem CarNet Portal rauszuwerfen (!), und das Navi komplett auf Werkseinstellungen zurückzusetzen (!!), und dann ALLE (!!!) Einstellungen (Online Anbindung, CarNet Registrierung, Radiosender, Navi-Einstellungen, POIs…) neu zu machen. Ich hoffe das war ein einmaliges Erlebnis.

Also, VW, bitte macht das mal richtig, und stabil – sonst wird der Dienst sicher nicht nach einem Jahr kostenpflichtig verlängert.

 

Rekkeviddeangst!

Hatten wir noch nicht. Ein oder zweimal sind wir etwas nervös geworden, aber es hat alles geklappt ohne das wir die Schildkröte gesehen hätten. Ansonsten hat es immer gut geklappt, man muss nur etwas vorher nachdenken und planen. Ist aber alles halb so wild, gewöhnt man sich schnell dran.

Für meinen Arbeitsweg ist die Reichweite des Wagens dann leider doch etwas zu knapp, unter herbstlichen Bedingungen haut es noch hin, aber im Winter wird es dann vermutlich sehr eng, und Puffer für Umwege gibt es dann keinen mehr. Ich muss also noch warten bis mein Arbeitgeber Ladesäulen aufbaut, oder bis es bezahlbare und verfügbare Autos mit mindestens 300km Winterreichweite gibt.

Reichweitenangst gibt es bei uns also nur in einer Form: Reichen uns die 20.000km, die wir beim Leasing pro Jahr angegeben haben?

 

Fazit

Für uns funktioniert die Elektromobilität. Nach 4.000km freuen wir uns darauf die nächsten paar tausend Kilometer rumzustromern, und auch die Entscheidung für den e-Golf war (trotz der Kritik oben) die richtige.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.