Charge&Fuel ändert die Preise

oder: das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Da flattert mir doch gestern ein Brief ins Haus, in dem eine signifikante Änderung der Charge&Fuel Karte angekündigt wird:

Um die Nicht-VW-Elektrofahrer abzuholen ein kleiner Ausflug zum Thema „was ist eigentlich Charge&Fuel“.

Die Charge&Fuel Ladekarte ist eine Karte, die man zu jedem Volkswagen Elektrofahrzeug bzw. Plugin-Hybriden kostenfrei bekommen kann. Lange Zeit war sie komplett kostenfrei, dann wurde sie auf eine zeitbasierte Abrechnung umgestellt. 0,95€ für Laden an Wechselstrom, 11,90€ an Gleichstrom. Sehr faire Konditionen, insbesondere für den 300er e-Golf. Dank vieler Roaming-Abkommen ist die Karte auch vielerorts nutzbar, und man muss sich nicht mit dem Tarifchaos beschäftigen. Einziger Haken: wie bei zeitbasierten Abrechnungen üblich zählt nicht die eigentliche Ladezeit, sondern die Standzeit an der Säule. Macht ja auch Sinn, der Betreiber will die Säule ja auch wieder für den nächsten Kunden frei haben. Ist ja kein Parkplatz, so ein Ladepunkt.

Jetzt wird also auf Pauschalbeträge umgestellt. Das ist für den Kunden tendenziell schlecht, wie man an den folgenden Beispielen sehen kann:

  • Plugin-Hybride (Golf und Passat GTE) werden die Karte nicht mehr nutzen wollen. Der Passat hat etwa 10kWh Akkugröße, der Golf etwas weniger. Selbst wenn man den Akku von 0 auf 100% läd ergibt das einen Preis von 59ct/kWh, etwas teuer für 30-40km elektrischer Reichweite.
  • Der e-Up hat knappe 17kWh, bei einer realistischen Ladung von 20-100% am Wechselstrom ergibt das etwa 44ct/kWh, auch recht teuer. Schnellladen Gleichstrom, üblicherweise 20-80%, ergibt etwa 82ct/kWh.
  • Der „alte“ e-Golf mit seinen knapp 20kWh nutzbarer Akkugröße steht vor dem gleichen Dilemma, Laden an Wechselstrom ergibt 37ct/kWh, Gleichstrom 70ct/kWh.
  • Erst der 300er e-Golf mit 31,5kWh nutzbarer Kapazität kommt auf erträgliche Werte: Laden an Wechselstrom ergibt 24ct/kWh, Gleichstrom 44ct/kWh.
  • Mal „kurz“ bei nem Stadtbummel oder bei einer kurzen Pause auf der Bahn zwischenladen ist mit den Pauschalbeträgen komplett sinnlos.
  • Wenn jemand auf Notaus haut, oder der Ladevorgang aus sonstigen Gründen abbricht hat man verloren, dann ist das Geld weg.

Der einzige Punkt wo eine Pauschalabrechnung erträglich ist wäre ein System wie bei z.B. EnBW – 5 EUR pauschal am Schnellader, da passt es (bis auf das Risiko eines Ladeabbruchs).

Halten wir also fest: für den Kunden wird es in nahezu allen Fällen deutlich schlechter, und die Charge&Fuel Karte wird kaum noch genutzt werden.

Nun, warum macht VW das? Wollen sie die Elektromobilität ausbremsen? Sind sie wieder die bösen Buben? Geht die Welt jetzt unter? Muss man wieder zurück auf Verbrenner wechseln? Den Eindruck kann man bekommen wenn man in den einschlägigen Foren die Kommentare zu der Preisumstellung liest.

Kurzfassung: Nein, die Welt geht nicht unter. Es gibt (noch, siehe weiter unten) genug Alternativen – Maingau wäre der erste Kandidat. An Gleichstrom eh günstiger, an Wechselstrom jetzt auch wieder. Und: wieviel nutzt man die Karte denn wirklich? Natürlich springen jetzt die Einzelfälle hinter der Hecke hervor, die schon immer und ausschließlich mit C&F geladen haben, und durch jegliche Alternative in den Ruin gestürzt werden. Sorry, aber das klingt für mich nach der Verbrenner-Argumentation „aber mein Auto muss 800km am Stück fahren können!“. Die meisten Elektroautos werden wohl eher daheim geladen, und nutzen die Charge&Fuel Karte eher auf Langstrecke. Und wie oft fährt man die? Merkt ihr selber, woll? Auf Langstrecke war die Karte eh seit längerem eher die zweite, dritte oder vierte Wahl.

Das Problem liegt eher in dem Grund der Umstellung verborgen. Volkswagen Financial Services, der Herausgeber der Karte, führt als Grund „eichrechtliche Vorgaben“ an. Und das ist der Punkt an dem es interessant wird.

Ich will das hier nicht von Grund auf aufrollen, wer sich für die Hintergründe interessiert kann sich im Netz informieren. Gute Einstiegspunkte gibts bei Electrive.net, Hubject, oder der Wirtschaftswoche. Die Kurzfassung ist: Ziel der Übung ist es, es dem Kunden zu ermöglichen seine Ladevorgänge auch im Nachhinein nachvollziehen zu können um seine Rechnungen zu prüfen, und dem Kunden die Gewissheit zu geben auch nicht übers Ohr gehauen zu werden.

Das Ziel ist ja erstrebenswert, aber die Auswirkungen für den Kunden sind erst einmal negativ, wie man an dem Beispiel der C&F Karte sehen kann. Ich sehe da z.B. folgende Probleme

  • Auch wenn es jetzt Hardware gibt mit der die Anforderungen umgesetzt werden können, wie viele der existierenden Ladesäulen werden nachgerüstet? Wie viele werden abgebaut, weil sich eine Nachrüstung nicht lohnt?
  • Falls bestehende Ladesäulen stehen bleiben dürfen, werden dann alle MSPs (Mobility Service Provider, also Abrechnungsdienstleister wie Maingau, C&F, Plugsurfing) auf Pauschalen umschwenken müssen da sie keine Eichrechtskonformen Daten der (alten) Ladesäulen bekommen?
  • Fallen wir am Ende in das Zeitalter zurück in dem man tausend und eine Ladekarte oder App von jedem pisseligen Feld-, Wald- und Wiesen-CPO (Charge Point Operator, also Betreiber von Ladesäulen) brauchen?

Das ganze macht ja auch nur Sinn, wenn der Kunde die Ladevorgänge auch aus der Ferne überprüfen kann. Wer wird schon die Rechnung prüfen in dem er alle in den letzten Wochen genutzten Ladesäulen abfährt und dort auf einem (hoffentlich funktionierendem) Display die Werte abliest und vergleicht? Und bei Abweichungen dann Fotos macht?

Alles in allem sehe ich die Lage für die Kunden, bei allen guten Absichten der Behörden, eher schlechter werden. Schönen Dank.

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