Kann man noch einen VW kaufen?

Ist es moralisch vertretbar dem VW Konzern noch Geld zu geben?

Die Frage ob man einen VW noch kaufen „darf“ oder nicht wird im Netz durchaus hitzköpfig diskutiert. Da die Emotionen bzgl. Dieselgate da sehr schnell hochkochen schreibe ich meinen Beitrag dazu lieber hier im eigenen Blog.

Aber ja. VW. Ich spreche ja ungern vom „VW-Skandal“, sondern nenne das Kind beim Namen: Dieselgate. Sicher, VW hat sich in der ganzen Sache nicht mit Ruhm bekleckert, und tut es auch weiterhin nicht. Andererseits halte ich es für sehr blauäugig zu glauben, dass die anderen Hersteller sich in der gleichen Situation anders verhalten hätten. Shareholder Value und Profit gehen über alles, und wenn man dazu Regeln und Gesetze biegen oder brechen muss, dann wird das offenbar auch getan.

Signifikante Abweichungen zwischen den realen Spritverbräuchen und dem NEFZ Prüfzyklus gibt es überall, und jeder Hersteller nutzt da auch noch das letzte Schlupfloch aus. Obskure Abschalteinrichtungen für die Abgasreinigung sind weit verbreitet, der einzige Fehler von VW scheint gewesen zu sein es nicht unter dem Motto „Motorschutz“ zu machen.

Von daher bin ich der Meinung: Wer sagt das man keinen VW mehr kaufen kann, darf oder sollte – der darf auch nix mehr von anderen Herstellern kaufen. Einzig Tesla kann man da rausnehmen, die dürften nachweislich noch nie bei der Abgasreinigung geschummelt haben. 🙂

Aber im Ernst. Ich werfe VW durchaus vor, dass sie in der ganzen Dieselgate Geschichte schlecht reagiert haben. Statt alle Karten auf den Tisch zu legen wird auf Zeit gespielt, vertuscht, verschleiert, verzögert. Auch das jetzt ein kleines Software-Update und/oder ein kleines Stück Plastik jetzt alles regeln sollen halte ich für eher unwahrscheinlich.

Da aber, bis auf Tesla und einige Exoten, alle Hersteller von E-Autos auch Verbrenner produzieren, egal ob Benziner oder Diesel, die auch alle mindestens beim NEFZ schummeln, die als moderne Benziner ein Feinstaub-Problem haben, und wer weiss was noch alles getrickst wird, haben wir uns entschlossen „unvoreingenommen“ an den Kauf eines E-Autos heran zu gehen.

Wir haben überlegt was uns wichtig ist, was „nice to have“ ist, und was unwichtig ist.

In der Summe war es dann der E-Golf, bei dem alles passte. Eine erträgliche Lieferzeit, gute Ausstattung, die Optik gefällt innen wie aussen, Fahrleistungen sind gut, Reichweite akzeptabel, technische Ausstattung auch.

Die Alternative, den Hyundai Ioniq, werde ich weiter im Auge behalten. Mit einem Akku-Upgrade beim nächsten Facelift wäre das durchaus eine Alternative als Erstwagen. Oder das Model 3 vielleicht. Auch wenn jetzt einige Freunde und Bekannte laut auflachen werden: ich sehe mich jetzt nicht als VW Fanboy. Wäre nicht das Thema der exorbitanten Lieferzeiten beim Ioniq gewesen hätten wir uns den e-Golf gar nicht mehr angeschaut.

Die „Gewissensfrage“ ist: E-Auto oder Verbrenner. Das ist der Knackpunkt. Wer das E-Auto dann baut ist zweitrangig, jedes elektrische Fahrzeug mehr auf der Straße ist ein gutes. Die Szene der Elektromobilisten ist definitiv noch zu klein als das man sich in Streitereien über wer das moralisch vertretbarste Fahrzeug hat reinsteigern sollte.

Ein Gedanke zu „Kann man noch einen VW kaufen?

  1. JoeGil Antworten

    Mir erscheint es generell nicht sinnvoll mit einem allgemeinen Boykott zu reagieren. Sanktionen wegen Gesetzesverstössen sollte der Staat durchführen. Die Gleichsetzung vom Ausnutzen von gesetzlichen Regelungen und klarem Rechtsbruch in dem Artikel ist aber nicht akzeptabel. Die kritikwürdige Praxis die Prüfregeln durch akzeptierte Abschaltungen aufzuweichen muß der Politik angelastet und öffentlich kontrollierbar sein ( zB Veröffentlichung der Prüfberichte). VW hat aber eingeräumt betrogen zu haben, das muß starke Konsequenzen haben. Mich erschreckt mal wieder, wie die Verantwortung nach unten delegiert wird. Herr Winterkorn als Fachmann, muß klar gewesen sein, dass die Werte zu schön um wahr zu sein waren.
    Bei allen Problemen, die die Prüfstandsmessungen haben, sind nur diese in der Lage Fahrzeugvergleiche zu ermöglichen. Die Methoden und Messergebnisse müssen durch öffentliche Kontrolle überprüfbar sein. In Deutschland ist zB die maximale Geschwindigkeit ein Problem. Das Prüfungen an einem „optimierten“ Auto erfolgen ist inakzeptabel. Die Fahrzeuge müssen dem Serienprodukt entsprechen.
    In diesem speziellen Fall ist doch auch die spezielle Problematik zu betrachten:
    – Der Diesel wurde speziell als energiesparende und CO2 verringernde Entwicklung eingesetzt. Aus physikalischen Gründen hat der Diesel nun mal einen besseren Wirkungsgrad und erzeugt dann auch weniger CO2 um die gleiche Arbeit zu verrichten.
    – Die Stickoxide wurden wenig bzw nicht beachtet. In der Weiterentwicklung kam dieses Kriterium auf. Der Diesel hat hier große Probleme, die durch technische Maßnahmen beseitigt werden müssen. Inwieweit der Komfort des Kunden ( Harnstofftank nachfüllen) oder die Kosten hier eine konsequente Umsetzung verhindert haben, kann ich nicht beurteilen.
    – Generell können wir nicht erwarten, dass die Industrie uns zu anstrengungslosem Ökogewissen verhilft. Wir können es täglich mit 150km/h und SUVs auf den Strassen beobachten.

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